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Mein Leben

Wenn ich heute mit über 50 Jahren, also in der Mitte meines Lebens eine Bilanz ziehen müsste, dann kann ich mit Bestimmtheit sagen, mein Leben hat sich gelohnt. Ich habe nichts zu bereuen und ich kann mit allen meinen Entscheidungen die ich im Laufe meines bisherigen getroffen habe gut leben.

Was es mir schwer macht in dieser Gesellschaft zu leben sind die Schubladen in die die Menschen gesteckt werden. Wer in einer Schublade steckt, hat sich auch so zu benehmen. Bei meinen „Burn Out“ sagte mir ein Therapeut: „Ihr Problem ist es, das Sie ihre Umwelt irritieren und sie somit in einer permanenten Auseinandersetzung mit ihr leben.  Auf der einen Seite agieren Sie als Fraktionsvorsitzender in Ihrem politischen Amt, wo Ihnen z.B. Millionenbeträge als Größenordnung bewusst sind, auf der anderen Seite sind Sie Facharbeiter in einem weisungsabhängigen Job. Doch dort treten sie nicht als solcher auf, sondern als der Mensch der sie sind und das ist keine untergeordnete Haltung. Doch es wird von Ihnen in ihrem Job Unterordnung erwartet, Entscheidungen der Vorgesetzten kommentarlos umzusetzen.  Stattdessen diskutieren Sie mit Ihren Chefs oder Vorgesetzten und so bauen Sie halt die Konflikte auf. „

Es scheint in der Tat so zu sein, denn mehr als 2 Jahre habe ich es in einem Unternehmen nie ausgehalten. Einzig in einem kleinen Spezialbetrieb hielt es länger. Dort fand ich einen Chef der es akzeptierte auf Augenhöhe zu arbeiten, der aber auch meinen Respekt hatte, weil wir bei kniffligen Arbeiten tatsächlich gemeinsam eine Lösung erarbeiteten, der akzeptierte, das bestimmte Arbeiten eben länger dauern als normal und der gerne mal bei seinen Geschäftspartner darauf hinwies, das ich  im Kommunalparlament „Chairman of the Green Party“ bin.

 

Dazu kommt, dass ich mir meine Fähigkeiten und Fertigkeiten als Autodidakt beigebracht habe. Auch im beruflichen Bereich war alles was ich wusste selber beigebracht. Ihr könnt Euch vorstellen, das „learning by doing“ an einer rechnergesteuerten Maschine nicht so einfach ist, erstens stand ich im Produktionsprozess und zweitens, verwechselte man + oder – fuhr die Maschine ins Werkstück, des Weiteren war es ein einsamer Arbeitsplatz. Du stehst 8 Stunden an der Maschine, wenn du sie programmierst und das erste Werkstück dann bearbeitet wird, dann steht du unter Vollstress. Wenn alles läuft, gähnenden Langeweile. Für einen kommunikativen Menschen entwickelt sich das zu einer Hölle. Doch aus dieser Hölle kam ich nicht heraus. Einzig der Wechsel in eine neue Firma schaffte für eine Zeit lang eine Erleichterung

 

Es ist im mir fest verankert, gemeinschaftliches Arbeiten, gemeinschaftliches Entscheiden. Es geht mir nicht darum Autoritäten grundsätzlich in Frage zu stellen oder einen Chef, es geht darum, dass Autoritäten sich durch fachliche Kompetenz als solche darstellen. Somit habe ich also ein Manko.

Es war schon in der Schule so. Es gab in der 8ten Klasse oder im Fach Erdkunde eine Aufgabe. Es ging in diesem Lehrabschnitt um Standortfaktoren. Es sollte eine Fabrik neu gebaut werden und es gab drei mögliche Standorte. Die Klasse wurde in drei Fraktionen aufgeteilt und jede Fraktion sollte nun einzig die Vorteile ihres Standortes vertreten. Das war für mich natürlich schwierig, da ich bei meiner Argumentation immer auch die anderen Standorte mit berücksichtigte. Es kam immer wieder der Verweis, ich solle mich auf meine Fabrik und meinen Standort konzentrieren.

 

Kleinkariertes Denken ist für mich ein Graus und meine Entscheidungen kann ich nur aus einem Gesamtkontext treffen.

 

So setzte ich mich auch immer schnell bei den Elternabenden in die Nesseln. Während alle anderen Eltern sich für ein strammes Notensystem einsetzten, ging es mir darum, das die Lehrerinnen und Lehrern Bewertungen über die Kinder abzugeben, in  den das Kind in seiner gesamten Entwicklung beschrieben wird. Doch das wollten die Eltern nicht, sie wollten sich 2-mal im Jahr innerhalb von 5 Minuten über den „Leistungs“stand ihrer Zöglinge informieren und gut. So katapultierte ich mich sofort ins Abseits in der Elternschaft.

 

Ich denke diese Beispiele zeigen, das ich ein komplexer Mensch bin, der sich früh zum einem frei denkenden Menschen entwickelt hat. Doch freies Denken und Kreativität schafft in diesem Land kein Einkommen.

 

Meine Familie ist für mich die wichtigste Instanz, für die ich alles andere zurückstelle. Das hat natürlich bei Arbeitgebern nicht den besten Eindruck hinterlassen. In der Tat bekam ich eine Abmahnung, weil ich zu Hause geblieben bin, statt zur Arbeit zu erscheinen. Was war passiert? Meine Frau hatte über Nacht eine schwere eitrige Kieferentzündung bekommen, die außerordentlich schmerzhaft war. Mit drei kleinen Kindern, um 5:00 Uhr morgens also eine Situation in der ich natürlich nicht zur Arbeit gehen konnten, denn wie wollte ich um diese Zeit eine Betreuung für die Kinder organisieren. Das sah man bei meinem damaligen Arbeitgeber anders. In einem der Mitbestimmung unterliegenden Unternehmen, wo also solche Strafen vom Betriebsrat mitgetragen werden mussten, wurde ich gemaßregelt.

 

Natürlich hätte ich diesen Konflikt anders angehen können, ich hätte sagen müssen ich hätte einen über den Durst getrunken und wäre noch zu besoffen, das hätte keine Konsequenzen nach sich gezogen, wäre ja „männlich“ gewesen. Doch ich bin halt ein ehrlicher Mensch. Gerade mein Verantwortungsgefühl für meine Familie hat mir drei gravierende Konflikte mit Arbeitgebern gebracht, die ich auch durchgefochten habe, mit für mich negativen Folgen.

 

Auch die heutige Situation ist für mich völlig klar. Meine Frau leidet an einer Krankheit, die Ihr die Gehfähigkeit nimmt. Sie ist zu 80% schwerbehindert und ich pflege sie. Somit lebe ich also von Hartz IV, betreibe eine kleine Firma als Liebhaberei, aber mit ernstem Hintergrund und mit Interesse an wirtschaftlichen Erfolg.Ich widme mich heute nicht mehr der politischen Analyse, sondern der politischen Utopie. In diese politischen und ökonomischen Utopien, verarbeite ich meine persönlichen Erfahrungen, die Analysen über die verschiedensten politischen und ökonomischen Systeme und die historischen Ergebnisse, die in Krisenzeiten immer zu Intoleranz und Diktatur geführt hat. 

 

Wir haben es heute verlernt Träume, also Utopien, real werden zu lassen. Dies zu ändern ist mein Ziel. Es gibt keine Lebenssituation, die ausweglos ist. Wir können zwar dem Druck erliegen, doch wir können uns auch aufrappeln und weiter machen.

 

Träume sind Ansporn, Mutmacher etwas zum Guten zu verändern. Ich habe deshalb nie aufgehört zu träumen. Ich stelle mir die Fragen, die nie gefragt werden. Zum Beispiel, wenn der technische Fortschritt uns bessere Welten verspricht, warum entstehen diese besseren Welten nicht.

 

Nun auch die Antwort ist ganz einfach, bessere Welten für allen, zerstören Macht und Machtgefüge. Wenn es allen gut geht, wie sollen sich dann die kranken Eliten dann noch abheben können. Es geht nicht darum das alle sich das gleiche Leisten können, sondern das alle sich etwas leisten können.

 

Wir leben in einer reichen, sowohl ökologischen als auch ökonomischen Welt, doch scheint sich das Streben nach dem Paradies immer auf ätherische Sphären zu beziehen, ohne das die Menschen merken, das sie schon im Paradies leben. Doch aus diesem Paradies erschaffen sie eine Hölle und dies ist mein Ansporn, die Illusion der Hölle zu zerstören um den Menschen zu zeigen, seht her, wir leben im Hier und Jetzt im Paradies, wir müssen uns dies nur klar machen. Also lasst uns daran arbeiten.