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Gemeinschaft

Wir Menschen können nur in funktionierenden Gemeinschaften überleben. Dieses Überlebensprinzip unserer Spezies hat Peter Kropotkin in seinem Buch „ Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt“ (ISBN 978-3-86569-905-3) dokumentiert. Die Gemeinschaft ist unser Schutz und unsere „Sozialversicherung“. Wir Menschen haben in unserer Geschichte immer darauf geachtet, dass jedes Individuum in seiner Existenz gesichert ist.

 

Dies ist auch heute noch in Stammesgesellschaften zu beobachten. Doch die Stammesgesellschaft hat einen entscheidenden Nachteil. In ihr ist das Individuum nichts und der Stamm alles. Nachklänge dieser Einstellung finden wir vor allem in den politischen Ansätzen des Kommunismus und im Begriff der „Diktatur des Proletariats“.

 

Je weiter wir uns aber entwickelten, wurde aber auch das Individuum immer wichtiger. Die Gedanken und Fantasie  des einzelnen wurden ab einem bestimmten Zeitpunkt für die Anpassung an veränderte Lebensverhältnisse wichtig.

 

Leider ist aber dieser Prozess der Entwicklung zu individuellen Wesen im Laufe der Geschichte völlig aus dem Ruder gelaufen.

 

An einem Punkt in der Geschichte, übernahmen diejenigen die Macht, deren Individualität sich nicht mehr aus dem Nutzen für das Ganze speiste, sondern krankhafte egoistische Züge entwickelten. Nicht mehr die empathische Intelligenz übernahm die führende Rolle, sondern Psychopathen, die sich mit Ränke und brutaler Gewalt an die Spitze brachten. Um sich an der Macht zu halten entwickelten die neue Kaste der Herrscher neue Instrumente, mit denen sie die auf Gemeinschaft orientierten Menschen unter ihre Knute zwangen. So entwickelten sich die ersten Staatsgebilde mit festen Militär, Priesterschaften und Staatsbeamten. Nicht mehr die Gemeinschaft entschied über Wohl und Wehe, sondern der neue Herzog, der neue König, der neue Herrschertypus, der die Rechtsprechung der traditionellen Gemeinschaftsgerichtsbarkeit der Dorf- oder Stammesversammlung an sich gerissen hatte.

 

Kropotkin kommt bei seinen Untersuchungen zu dem Schluss, dass es die Friedfertigkeit der menschlichen Rasse geschuldet sei, das sich diese Strukturen entwickeln konnten.[1]

 

Diese neuen Herrscher stützen ihre Herrschaft schließlich auf das Militär, die neuen Kriegerkasten, die selber nicht mehr die Scholle bearbeiteten, sondern von den Mitgliedern des Stammes nun am Leben erhalten wurden, weil sie nicht anderes mehr machten, als den Schutz der Gemeinschaft zu sichern. Nicht mehr der ganze Stamm zog in den Krieg, sondern diese „Kriegereliten“. Unter diesen Vorraussetzungen entwickelten sich dann die ersten Städte und somit zog Konkurrenzverhalten, Krieg und der ständige Konflikt zwischen Stadt und Land ein.

 

In der heutigen Zeit werden nun die letzten Bastionen solidarischen und gemeinschaftlichen Handelns und Denkens geschleift. Somit erreichen wir nun aber genau die Grenzen, die unsere Weiterentwicklung hemmen. War es damals die absolute Unterordnung unter das Stammesbewusstsein, so ist es heute die totale Industrialisierung und das Gebot des zwanghaften Wachstumsfetischismus.



[1] Peter Kropotkin, Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt, Trotzdem-Verlag, 2011, Seite 120